Man muss nach effektiven Praktiken fragen.

Heinz Bude

Kassel

Soziologe, Philosoph und Psychologe

Mit dem iPhone ist der Beweis erbracht, dass Gestaltung Gesellschaft verändert. Der Handschmeichler mit der Oberflächenintelligenz nach der Designquelle von Dieter Rams hat weltweit die Praktiken der informationellen Vernetzung, die Daumentätigkeit und die Gewohnheiten nach dem Aufstehen verändert. Zudem ist es zum Marker einer neuen Form sozialer Ungleichheit zwischen den digital natives und den digital immigrants geworden. Diese Ungleichheit ist deshalb neu, weil sie die klassischen Formen vertikaler sozialer Ungleichheit nach Einkommen, Bildung und Beruf kreuzt und unterläuft, aber auch bekräftigt und zementiert.
Man muss daher nach effektiven Praktiken fragen, wenn man die Frage stellt, ob Gestaltung die Gesellschaft verändern kann. Praktiken dehnen sich „wild“ aus und können von den Gestaltern kaum kontrolliert werden, weshalb Gestaltung ihre pädagogische Asymmetrie einbüßt. Vielleicht sollte man sich Jacques Rancières Idee des unwissenden Lehrmeisters als Modell nehmen, um ein normativ gehaltvolles Denken über die gesellschaftsverändernde Bedeutung von Gestaltung zu inspirieren.

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